Ratgeber Angst : Sei zufrieden mit dem ausreichend Guten

Yoga gegen AngstHier der zweite Teil der Mitschnittreihe: Angst und Ängste überwinden mit Yoga. Dieses Mal geht es darum: Strebe nach dem ausreichend Guten – statt nach dem Perfekten, mindestens in den meisten Dingen. Hier also der unbearbeitete Mitschnitt des zweiten Teils des Vortrags von Sukadev:
Und ein einfacher Tipp gerade zu Anfang ist, bei Entscheidungen nicht zu versuchen, das Beste zu kriegen, sondern das ausreichend Gute. Das ist in den meisten Fällen gut, wenn man bei den meisten Sachen nicht versucht, das Beste, sondern das ausreichend Gute zu bekommen. Und da braucht man jetzt keine Angst zu haben, dass man nicht das Richtige kriegt. Das ausreichend Gute für neunzig Prozent der Dinge, die man braucht, reicht aus. Und dann, wenn man nachher feststellt, dass es doch etwas Besseres gegeben hat, spielt es keine Rolle, denn man hat das ausreichend Gute. Es gibt ein paar Sachen, wo man sagen würde, nur das Allerbeste, aber bei vielem, das ausreichend Gute ist schon mal gut. Oder noch eine andere Möglichkeit ist schon, das Zweitbeste bewusst zu wählen. Das nimmt viel Stress raus. Wenn man nicht das Beste haben will und nicht das ausreichend Beste, dass man sagt, das Zweitbeste ist auch gut. Und dann gibt es natürlich nicht nur den Zwang, sich zu entscheiden, und nicht nur, dass es dieses wohlige Geborgenheitsgefühl nicht unbedingt so einfach mehr gibt, weil man aus seinen normalen Kontexten immer wieder herausgerissen wird, auch aus dem Firmenkontext herausgerissen wird, aus den Fähigkeiten-Kontext, den man sich dort erarbeitet hat. Es kommt natürlich dazu auch, gesteigerte Anforderungen. Irgendwo Arbeitsverdichtung, wie man sagt, wird immer als Erfolg verkauft. „Es gibt wieder einen Produktivitätsgewinn von zwei Prozent.“ Und den gibt es jedes Jahr. Ich glaube, zwei Prozent ist relativ stabil. Das heißt, der gleiche Mensch muss jedes Jahr zwei Prozent mehr tun. Er kriegt zwar technische Hilfsmittel, aber die Anforderungen werden größer und damit steigt auch der Stress und die Versagensängste dann auch und die Wegrationalisierung geht auch schneller. Und notfalls wird immer gesagt: „Sonst machen es die Chinesen.“ Und natürlich, man hat auch mehr Verantwortung als früher z.B. Und es hilft, das auch mal irgendwo anzuerkennen, dass man gute Gründe hat, ein bisschen ängstlich zu sein. Dann braucht man nicht ängstlich zu sein, dass man ängstlich ist, sondern sagen: „Es gibt gute Gründe, dass ich erst mal ein bisschen ängstlich bin.“ An so vieles hat man jetzt auch höhere Ansprüche indem, was man selbst beeinflussen kann. Z.B. auch Kindererziehung. Heutzutage ist es ja schon eine unglaublich wichtige Entscheidung in dem Geist vieler Menschen: Ab welchem Alter wird das Kind in den Kindergarten gegeben? Und die einen denken: „Wenn ich das Kind nicht in den Kindergarten oder die Kinderkrippe gebe, dann lernt es nicht ausreichend gutes Sozialverhalten, dann wird es nie Führungskraft werden können.“ Einzelkind kommt gleich mit Nachteil in die Welt, also muss es das haben. Oder umgekehrt: „Wenn ich mein Kind in die Krippe gebe, dann verliert es das Urvertrauen, wird in dieser Welt nur ängstlich sein.“ Also, diese Entscheidung ist dann nicht nur eine praktische Entscheidung, im Sinne, „was ist jetzt für mein Kind gut und für mich gut“, denn auch wenn es den Eltern gut geht, geht es dem Kind auch gut, Eltern müssen sich das auch bewusst machen. Manchmal das Wertvollste, was Eltern für das Kind machen können, ist dafür zu sorgen, dass es ihnen selbst gut geht und dann wird das Kind sehr viel mehr mit Vertrauen aufwachsen als wenn die Eltern ständig überlegen: „Was ist für das Kind das Allerbeste oder in welchen Kindergarten, in welche Grundschule?“ Zum Teil: „Wo muss ich hinziehen?“ Also viele Ängste. Oder auch in der Partnerschaftsbeziehung so viel auch, was man falsch machen kann, so viele Ratgeber, die es dort alles gibt. Und so viel, was man erwartet und so viel, was man hofft. Eigentlich eine Partnerschaftsbeziehung, wo man sagt, es sollte eine schöne Sache sein, wo man sich gegenseitig stützt, für manche Menschen ist da eine Quelle für Versagensängsten. Glücklicherweise scheint doch die Mehrheit der Menschen mit ihrer Partnerschaftsbeziehung sehr zufrieden zu sein. Ich habe vor kurzem eine Umfrage gelesen, die zeigt, es ist doch eher eine Quelle für Wohlbefinden für die große Mehrheit, irgendwie achtzig Prozent. Was aber umgekehrt heißt, für zwanzig Prozent eben nicht im jetzigen Stadium.

(Fortsetzung folgt)

Das war also der zweiteTeil der Mitschnitte der Vortragsreihe: „Angst und Ängste überwinden“. Aus einem Workshop mit Sukadev in der Yoga Vidya Yogaschule München im Herbst 2012. Hier noch ein paar Links:

 

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