Angst und Ängste als Sprache der inneren Minister

Yoga gegen AngstKeine Angst vor der Angst – das ist die Essenz dieser Vortragsmitschnitte zum Thema Yoga und Angst. Hier geht Sukadev auf Folgendes ein: Angst und Ängste sind Sprache der inneren Minister, also des Unterbewusstsein, der inneren Intelligenz. Du kannst lernen, diese Sprache zu verstehen – dich aber nicht „rumkommandieren“ zu lassen. Wie das geht? Dazu lies die folgenden unbearbeiteten Vortragsmitschriften aus dem Workshop „Angst überwinden mit Yoga“, neunter Teil:

Ok, so haben wir also viele Minister und jetzt kommt noch der – das Thema ist ja eigentlich „Ängste“. Wenn ich so merke, ich schweife sehr stark ab, aber ich vermute, viele von euch sind nicht deshalb hier, weil das Thema „Ängste“ ist, sondern einfach weil ich hier sitze. Und so kann ich halt auch meine Intuition einfach sprechen lassen. Die, die hauptsächlich wegen dem Thema hier sind, es ist auch ein Thema, indem wir das Thema weit streuen, hilft das auch gegen Ängste, weil man sich einfach bewusst wird, was man noch hat. Und Ängste sind auch wieder eigentlich Ausdrücke von Verschiedenem. Ängste berühren einige Minister. Man kann sagen, es ist so ein Ausdruck verschiedener Minister. Natürlich gibt es erst mal den Minister für Selbsterhaltung, der will, dass man überlebt. Und der manifestiert sich z.B., wenn man irgendwo auf einem siebten Stock ist und dann überlegt: „Soll ich mal auf die Ballustrade von der Terrasse oder vom Balkon gehen?“ Da meldet er sich stark. Der meldet sich, wenn ein quietschendes Auto kommt. Also, Ängste sind zum einen Minister für Überleben. Zum zweiten ist die Angst aber auch ein Ausdruck von vielen anderen Ministern. Es gibt da eben den Minister für Liebe und der hat auch Ängste. Sei es eine Angst, dass er nicht ausreichend gut für andere ist oder dass er sich unbeliebt macht. Man kann sagen, Ängste sind irgendwo ein Ausdruck von vielen Ministern und das ist jetzt auch schon etwas, wo ihr überlegen könnt, Ängste, die ihr habt, welcher Minister steckt dahinter oder welcher Mitarbeiter, welcher Anteil in euch?  Vielleicht ist es der Minister für Vollkommenheit und ihr habt Angst, dass ihr nicht ausreichend gut seid. Vielleicht ist es eben der Minister für Liebe oder Staatssekretär für Popularität. Angst, andere denken schlecht über euch. Vielleicht ist es der Minister für Kindererziehung – klingt eigentlich dumm – und der will es richtig machen. Und der denkt: „Ich mache es nicht richtig.“ Der verbündet sich dann mit dem Minister für Vollkommenheit. Oder der Gesundheitsminister in Gestalt vielleicht des Staatssekretärs für Hygiene. Und dann haben Menschen Angst, dass sie sich anstecken könnten und müssen ständig ihre Hände waschen. Das könnt ihr so ein bisschen überlegen, nur einen Moment lang, welche Ängste ihr vielleicht habt, und der Ausdruck von welchem wichtigen Minister sie eigentlich sind. Vielleicht sind dort mehrere daran beteiligt, und manche werden feststellen, da ist einer ganz konkret. Und im Raja Yoga ist das so ein erster wichtiger Schritt, dass ihr nicht schlimm findet, dass Ängste da sind, sondern erst mal feststellen: „Ängste, das ist ein Zeichen, da manifestiert sich ein Minister in mir oder ein Anteil in mir, der wichtig  ist, den ich brauche und der gut ist.“ Und danach, der zweite Schritt wäre, man könnte zum einen mit dem sprechen und sagen: „Du, es ist toll, dass es dich gibt, und toll, dass du das willst. Und ich habe dein Anliegen verstanden und ich werde mich darum kümmern.“ So kann ein guter Chef z.B. mit seinen Mitarbeitern sprechen, so kann ein König zu seinem Minister sprechen. Meistens reicht das allein nicht aus, denn der Mensch ist von seiner Persönlichkeitsstruktur nicht so diktatorisch ausgerichtet, dass wir einfach sagen können: „Ich mache das jetzt so.“ Menschen sind insgesamt auch im Miteinander eher demokratisch ausgerichtet. Und man weiß, in allen Naturvölkern sind demokratische oder halbdemokratische Strukturen so lange da, wie die Größe des Stammes nicht über zwanzig bis dreißig ist. Wenn es über zwanzig und dreißig ist, dann wird ein Führer gewählt, und wenn sie kleiner bleiben, ist der erst nur vorübergehend und der kann gewechselt werden. Und je größer umso mehr wird es dann schließlich zur Erbmonarchie. Das war dann aus bürokratischen Gründen irgendwann notwendig. Man kann sagen, und die moderne Demokratie hat den großen Vorteil, sie hat es irgendwie organisatorisch geschafft, einigermaßen demokratische Richtlinien in einen Staat hineinzubringen. Man muss sagen, einigermaßen demokratisch, denn natürlich, parlamentarische Demokratie ist ja etwas anderes und man könnte auch nicht alles vollständig basisdemokratisch entscheiden. Vielleicht die Schweiz es halbwegs vorlebt, dass es doch irgendwie funktioniert, obgleich da manchmal wirre Sachen beschlossen werden, aber das manchen unsere Politiker hier auch. Aber ob ein Staatswesen von der Größe von Europa mit Volksentscheiden für jede Einzelfrage gut regiert werden könnte, eine Sache, aber doch irgendwo organisatorisch Demokratie einigermaßen verankert. Gut, und so ist auch unser Geist auch irgendwo demokratisch organisiert, nicht so sehr hierarchisch. Und dann ist es leichter, eine Ministerkonferenz einzuberaumen. Eben, der eine hat halt Angst, dann kann man eben sagen, dass der Minister für Selbsterhaltung sagt: „Kein Risiko.“ Dann kommt aber der nächste und das ist der Minister für Vollkommenheit, der sagt: „Ich muss mich weiterentwickeln, dann muss ich auch mal ein Risiko eingehen.“ Dann meldet sich noch der Wirtschaftsminister und sagt: „Ja, Risiko ist einzugehen und letztlich, irgendwo muss die Familie ernährt werden und dazu ist es notwendig.“ Und dann kommt noch der Minister für Liebe oder Fürsorge, Sozialminister oder Gesundheitsminister, die kommen alle dazu. Und dann anschließend seid ihr plötzlich frei. Ich kann euch das wirklich empfehlen, probiert es mal aus. Einige von euch werden merken, es ist wie ein Haken umgelegt, irgendwie ist man frei. Die Ängste sind nicht mehr schlimm, Reizbarkeit ist nicht mehr schlimm, schlechtes Gewissen ist weg und man hat jetzt die Möglichkeit, irgendwo sich zu entscheiden und es ist gut so. Ich will nachher das Raja-Yogasystem etwas weiter ausbauen noch.

– Fortsetzung folgt –

Das war also der neunte Teil der Mitschnitte der Vortragsreihe: „Angst und Ängste überwinden“. Aus einem Workshop mit Sukadev in der Yoga Vidya Yogaschule München im Herbst 2012. Hier noch ein paar Links:

 

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